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Muddeln mit Herrn Lubin und der Open Broadcast Software

Herr Lubin begrüßt am 10.2.21 die Teilnehmenden (TN) in der Online-Schulung zu dem unerschöpflichen Thema des Lernmanagementsystems moodle – allerdings dieses Mal mit dem Fokus auf der Open Broadcast Software (OBS) – und erfragt, wer schon an dem ersten Teil der Schulung am 26.1.21 mit dabei war. Etwas überraschend waren fast alle neu dabei, daher fragt Herr Lubin die Erwartungen an die nun folgenden Unterrichtsstunden neu ab. Wer den Inhalt der ersten Schulung nachvollziehen möchte, in der wir u.a. sehr viel über die Software H5P zur Erstellung von interaktiven Webinhalten gelernt haben, kann einen kleinen Erfahrungsbericht HIER lesen und sich die Aufzeichnung HIER anschauen.

Aber nun zu den Erwartungen:

  • Ein TN möchte unbedingt OBS erlernen, um ein schon konzipiertes Online-Seminar realisieren zu können, für welches ein bestimmtes technisches Setting funktionieren muss. Und zwar ist die ganz konkrete Frage, wie man die Funktionalitäten von zwei Kameras in einem virtuellen Klassenzimmer / einer Videokonferenz einbinden kann, um verschiedene Blickwinkel der Kameras immer mal wieder im Wechsel einfangen und zeigen zu können. Hierbei geht es um einen Entspannungs- und Bewegungskurs.
  • Ein TN ist noch ganz offen – ist „unbefleckt“ in dem Thema der digitalen Lehre.
  • Ein anderer TN hat die Herausforderung, ein spezielles Lernfeld in einen Kurs einzufügen. Hierbei handelt es sich also um eine spezifische Frage zu moodle, welche in den ersten Minuten der Schulung schnell geklärt wurde.Desweiteren möchte er sehr gerne etwas über OBS lernen und mit dem Medium Video Erfahrungen machen.
  • Ein TN möchte sich „v.a. auf OBS stürzen“.
  • Ein TN ist offen für alles.

Herr Lubin beginnt nun die Schulung mit einer kleinen Wiederholung zu H5P – eine Software, welche quasi den Flash Player abgelöst hat und zur Erstellung von interaktiven webbasierten Applikationen wie z.B. interaktive Bücher, Quizze etc. benutzt wird. Allerdings braucht H5P ein Host-System, in welches diese o.g. Anwendungen integriert werden können, wie z.B. moodle oder aber auch WordPress. Für die Offline-Erstellung dieser H5P-Anwendungen kann man sehr gut mit der Software LUMI arbeiten. Auch erläutert Herr Lubin erneut, was es mit dem Inhaltsspeicher auf sich hat (siehe dazu HIER).

Ein Überbleibsel aus der ersten Schulung ist die Frage, wie man aus moodle heraus einen Test anlegen kann. Dafür kann man sich eine individuelle Fragensammlung anlegen und unterschiedliche Fragenarten (z.B. multiple Choice) festlegen. Bereits angelegte Fragen kann man im Anschluss immer wieder neu verwenden. Eine schöne Funktion ist auch das Mischen von Fragen, d.h. der Lernende erhält immer wieder neue Fragen, wenn er/sie auf einen bestimmten Test zugreift (und in dem Test entsprechend eine Vielzahl an Fragen hinterlegt ist).

Desweiteren zeigt Herr Lubin, wie man nur bestimmten TN aus einem Kurs eine Mitteilung schicken kann und wie man in diesem Kontext Filter einsetzen kann (z.B. kann man nach Anfangsbuchstaben oder Rollen der Nutzer:innen suchen). Hier ist ein wichtiger Hinweis, dass man nicht direkt auf moodle-intern versandte Nachrichten antworten kann, wenn man diese in einem Emailprogramm wie Outlook öffnet, genauso können Anhänge wie PDFs nur system-intern geöffnet werden.

Im Anschluss zeigt er uns die Funktion Gruppen anlegen, die man mit Nutzer:innen füllen kann. Eigentlich gibt es auch eine Funktion, in denen sich die Lernenden selbst zuordnen können (bei uns nicht verfügbar).

Außerdem gibt es die Möglichkeit bestimmten Aktivitäten Lernziele zuzuordnen oder auch Kompetenzen – aber generell müssen wir auch wissen, und nun folgt mein Lieblingszitat der Schulung: „Moodle kann einfach mehr als wir können“. Und so müssen wir uns das an Funktionen raussuchen, was wir auch wirklich brauchen.

Aus seiner Unterrichtspraxis berichtet Herr Lubin, dass das Feedback der Schüler:innen beim E-Learning nicht so gut zu erkennen ist wie beim Präsenzunterricht, wo man die fragenden Augen direkt interpretieren kann. Vielmehr benötigt die digitale Praxis eine Kultur, dass auch hier direkt formuliert wird, was man nicht verstanden hat. Er betont weiter, dass man digitalen Unterricht neu denken muss und eine 1:1-Übernahme aus dem analogen Präsenzunterricht nicht funktioniert. Lubin mahnt, man solle als Lehrende:r auf Humor bei der Sache setzen und mutig sein. „Wenn etwas falsch läuft, dann muss man eben draus Lernen, nicht verzweifeln! Und auch beim E-Learning sollte man nicht in einen Kontrollwahn verfallen, denn gerade in der Erwachsenenbildung sollten die Schüler:Innen eine gewisse Selbstorganisation vorweisen“. Er fasst zusammen, dass seine Erfahrungen zeigen, dass je mehr Vertrauen man den Lernenden entgegenbringt, umso besser sind auch der Unterricht und die Lernkurve. Unterstützend bietet er seinen Schüler:innen in der jetzigen Phase (nur noch digitaler Unterricht) an, dass man sich so oder so zwei Mal die Woche in einer Videokonferenz trifft, um Fragen zu beantworten und Stimmungen einzufangen.

Nach einer Kaffeepause wechseln wir thematisch nun zur Open Broadcast Software (OBS). Zum Installieren der open source Software, bitte HIER klicken. Diese Software wurde erfunden von „Gamern“, die anderen „Gamern“ zeigen wollten, wie sie spielen. Das war eine gute Idee, denn nun haben wir die Chance diese wirklich ausgesprochen vielseitige Anwendung für diverse Videokonferenzsettings zu nutzen, z.B. um verschiedene Kameras zu steuern. Nachdem alle TN die Software auf ihrem Rechner installiert haben, geht es los mit den wichtigsten Funktionen. So kann man mit OBS z.B. eine Vorlesung direkt auf z.B. Youtube streamen (dafür benötigt man einen Youtube Channel und einen sogenannten Streamschlüssel von Youtube, den man bei OBS angibt), eine Aufnahme starten via Screencapturing (man nimmt auf, was auf dem eigenen Rechner zu sehen ist), OBS als virtuelle Kamera in z.B. BigBlueButton starten, einen Studiomodus nutzen (zwei Bildausschnitte, links die Vorschau, rechts das Bild, welches „rausgeht“).

Und wie geht das nun konkret?

Wir legen eine Szene an und fügen eine Textspur ein – mit z.B. „gleich geht’s los“ (unter Quelle kann man z.B. ppt/Text/Bild oder auch Videoeingabegerät, also Kamera, auswählen). Auf eine andere Szene kann man z.B. wieder über die Funktion Quelle eine Kamera auswählen, z.B. die eigene Webcam – hier kann ich den Bildausschnitt skalieren (str.f = fullscreen). Danach kann ich zwischen den Szenen hin und herschalten. Eine andere Möglichkeit wäre z.B., dass man auf zwei Szenen jeweils eine Kamera legt und somit zwischen den Bild- bzw. Kameraauschnitten hin- und herschalten kann – und genau das ist nun die Aufgabe für die TN. Ergänzend sind die TN eingeladen zwischen den Szenen mit der Funktion Überblenden zu spielen. Wie man vermutlich auch aus den Formulierungen in dem Erfahrungsbericht erahnen kann, verstanden einige TN nun nur noch „Bahnhof“ und somit sah sich Herr Lubin genötigt, das Tempo zu drosseln und einiges erneut zu erklären. Mit rauchenden Köpfen ging die Meute dann in die Mittagspause, wobei man auch nochmal dem sehr geduldigen Dozenten danken muss, der seine Pause fast völlig opferte, um dem auf den ersten Blick unerklärlichem Verhalten eines TN-Computers nachzugehen (wie das halt immer so ist). Nach der Pause berichten die TN, bei wem es so klappt wie es denn soll und die Stimmen reichen von „das ist genau das, was ich brauche für meinen Unterricht“ bis hin zu „ich finde das alles total spannend, muss aber erstmal in Ruhe mich mit der Umgebung auseinander setzen bis ich das hinbekomme“.

In den nächsten zwei Stunden rauschen uns weiter die Köpfe, denn OBS ist ein mächtiges Tool. Wir lernen Filter kennen, das Chrome Keying, die diversen zu steuernden Audiospuren, wir folgen einem Exkurs in die Schnittsoftware „Final Cut Pro“ und dem open Source Audioschneideprogramm „Audacity“ – und Herr Lubin macht auch nicht Halt, seine Begeisterung zu einer ganz besonderen Hardware zu teilen: Das „Black Magic Design“ ermöglicht das Anschließen von diversen externen HDMI-fähigen Kameras, Mikrofonen etc. und wie ein kleines Kind vor Weihnachten freut sich Herr Lubin auf dieses Gerät, welches in den nächsten Tagen bei ihm eintrudeln wird. Wir werden also beizeiten nachfragen, wie es ihm damit ergeht.

Zu guter Letzt erklärt uns der Dozent noch, wie man das Ipad mit BBB verbindet (mac/windows) und somit allerlei Apps auch direkt in einer Videokonferenz einbinden kann. Die TN der Schulung können HIER nochmal genau nachempfinden, wie das wohl genau funktioniert. In diesem Kontext erzählt ein TN, wie faszinierend es für ihn sein, was man HEUTE alles digital machen kann (er hat vor 20 Jahren Mediengestaltung gelernt) und Herr Lubin betont, dass man sich der Technik auch stellen muss – und dass das definitiv eine Herausforderung ist. Daraufhin folgt ein weiteres Lieblingszitat meinerseits: „Man muss so denken wie der Computer und nicht andersherum, sonst geht man auf Kollisionskurs“. Ergänzend betont er, dass man dabei nicht alles können muss, sondern ein komplementäres Lernen/Können mit Mitarbeitenden oder Kolleg:innen viel effektiver ist. Lubin verschweigt dabei aber nicht die Schwierigkeiten, alle mit E-Learnings zu erreichen und dass die soziale Situation der TN nicht zu unterschätzen ist. Denn nicht jede:r hat die digitale Kompetenz oder überhaupt ein stabiles (technisches oder soziales) Umfeld, welches ein (selbstorganisiertes) digitales Lernen ermöglicht.

Auf meine Frage, was er bisher bei OBS vermisst, antwortet Herr Lubin, dass der Ton nicht direkt bei BBB übergeben wird. Dieses Problem kennen wir bereits aus dem Szenario, in dem ein:e Lehrende:r den Bildschirm teilt, um einen Film via Youtube für alle sichtbar (und eigentlich auch hörbar) zu machen … und eine Lösung dazu scheint es bisher (auch laut BBB) nicht zu geben.

Wir schließen diesen Bericht mit dem Diskurs aus der Schulung, in dem formuliert wurde, dass Digitalisierung Live-Learning ist und dass der Support im Hintergrund nicht zu vernachlässigen ist. Digitalisierung ist ein Gemeinschaftsprojekt.



FEEDBACK:

TN bedankt sich für diese umfangreiche VA

TN fand es SUPER; wenn man durch die erste Kruste kommt, dann wird das Ganze zum Selbstläufer. Hat sehr sehr gut gefallen. Für unser Kursformat Meditation direkt Anwendung umgesetzt

„Man kann das Internet nicht kaputt machen“

Lubin betont nochmal die Heterogenität

Gesa


Beitrag von: Dr. Gesa Friederichs-Büttner